In unserer Interview-Reihe „Digital Services im Kerngeschäft Komposit“ veröffentlichen wir heute den fünften Teil.

Dabei beschäftigen wir uns mit dem Thema: Intelligent Automation im Massenkundengeschäft

Interviewpartner:
Stefan Groschupf
Gründer und CEO Automation hero, Silicon Valley, Kalifornien

https://automationhero.ai

Jürgen Wulf: Sehr geehrter Herr Groschupf, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Stefan Groschupf: mein Name ist Stefan Groschupf. Ich bin in Halle an der Saale aufgewachsen und lebe seit 15 Jahren in Silicon Valley. Ich koche gerne vegan und habe mich durch mehrere Ironman gequält. Ende der Neunziger habe ich meine erste Firma im Bereich KI und Analytics gegründet. Wenig später habe ich mit zwei weiteren Entwicklern die Big Data Plattform Hadoop gegründet, in der heute 80% der weltweiten Daten gespeichert und verarbeitet werden.

Jürgen Wulf: Sie werden als Big Data Veteran beschrieben und haben Datameer, den Marktführer im Bereich Big Data Analytics, gegründet und aufgebaut. Was hat Sie bewogen dann mit Automation Hero ein neues Unternehmen ins Leben zu rufen.

Stefan Groschupf: Ich habe meine erste Firma gleich nach dem Abitur gegründet und seitdem nichts anderes getan. Ich weiß also gar nicht wie man in einer großen, langsamen Firma arbeitet.

Spaß beiseite, mit der letzten Firma haben wir Unternehmen geholfen, besser schwierige Geschäftsprozesse oder Kundeninteraktionen zu verstehen. Am Ende hatte man ein schönes Dashboard, aber es kam immer wieder die Frage: Was jetzt? Wie kann man jetzt mit diesen Daten das Unternehmen verbessern? Es wurde klar, dass man Daten „actionable“ machen muss und man den Schritt von Business Intelligence zu Business Automation gehen muss. Mit der Vision, Daten- und KI-getriebene Geschäftsprozesse zu verbessern, haben wir Automation Hero gleich nach meinem Ausscheiden von Datameer gegründet.

Jürgen Wulf: Was ist die Vision von Automation Hero?

Stefan Groschupf:  Wir wollen der Thought Leader im Bereich Intelligent Automation sein, d.h. der nächsten Generation von RPA (Robot Process Automation) durch Verknüpfung mit KI. Unsere einfach zu bedienende, hoch skalierbare end-to-end Plattform eröffnet unseren Kunden neue Möglichkeiten, selbst Prozesse und KI-Modelle zu gestalten und schnell nutzerfreundlich umzusetzen. Unsere Vision ist es, eine Technologie zu bauen, die unsere Arbeit wieder menschlicher, wieder interessanter macht und uns von den immer wieder kehrenden Aufgaben befreit.

Thought Leader im Bereich Intelligent Automation für Unternehmen im Massenkundengeschäft

Jürgen Wulf: Wer sind die Zielkunden von Automation Hero?

Stefan Groschupf: Unsere Lösung ist branchenübergreifend und wir haben kleine und große Kunden. Dennoch sind natürlich die Industrien besonders prädestiniert, die einen großen Kundenstamm bzw. eine große Anzahl von Geschäftsprozessen und daher einen großen Bedarf an Digitalisierung haben. Wir zählen einige der größten deutschen Versicherungen, Reise- oder Logistikunternehmen zu unseren Kunden.

Jürgen Wulf: Welche Vorteile entstehen einem Versicherungsunternehmen im Geschäftsfeld Komposit aus der Zusammenarbeit mit Automation Hero?

Stefan Groschupf: Kostenreduktion, zufriedene Kunden und engagiertere und Mehrwert generierende Mitarbeiter, höhere Datenqualität und schnellere Abwicklung von Geschäftsprozessen, um nur einige zu nennen.

Jürgen Wulf: Welche Use Cases zeigen Ihrer Meinung nach den größten Nutzen und die niedrigsten Einstiegshürden auf?

Stefan Groschupf: Das hängt vom Kunden und der Industrie ab, aber in jedem Unternehmen gibt es „Kopieren, Anwendung wechseln, Einfügen“ Use Cases, z.B. beim Automatisieren der Stammdatenpflege im CRM-System, in der Verarbeitung von Schäden, dem automatisierten Vorbereiten von Antworten auf Kundenanfragen oder KI-basierten Produktempfehlungen.

Unser Ziel ist es, möglichst schnell Ergebnisse zu erzielen und dadurch Begeisterung für die Digitalisierung zu wecken. Bei stetig wiederkehrenden manuellen Tätigkeiten gelingt dies am Schnellsten.

Jürgen Wulf: Welche Voraussetzungen muss ein Kunde von Automation Hero erfüllen und wer sind die aus Ihrer Sicht relevanten Ansprechpartner auf Kundenseite – Komposit- oder IT-Vorstand?

Stefan Groschupf: Technologisch gibt es keine Anforderungen, auch bei der Integration von Alt-Systemen (z.B. Mainframe, Bestandssysteme) gibt es keine Hürden. Typischerweise sitzen unsere Ansprechpartner im IT- oder Digitalisierungsteam, aber auch in den Fachbereichen zum Beispiel im Vertrieb oder Schaden bei Versicherungen. Wichtig ist der Wille zur Veränderung und die Offenheit, alt eingesessene Geschäftsprozesse mit innovativer Technologie zu verbessern.

Wille zur Veränderung ist Grundlage für Intelligent Automation

Am Anfang aller Prozesse steht die Strukturierung von Daten. Wir bieten hier KI-basierte Modelle, die über die OCR-Technologie hinaus gehen. So erhöhen wir die Zahl der zu automatisierenden Prozesse. Alle dann im Back-end dunkel ausgeführten Prozesse können über unseren virtuellen Assistenten „Robin“ den Mitarbeitern zur Überprüfung zur Verfügung gestellt werden. „Robin“ erhöht nicht nur die Akzeptanz bei den Mitarbeitern, sondern motiviert diese zusätzlich und schafft Freiraum für einen intensiveren Dialog mit den Kunden.

Jürgen Wulf: Wie kann ich mir als Kompositversicherer die Zusammenarbeit mit Automation Hero im Hinblick auf Daten, Prozesse, technische Anbindung, Einführungszeitraum, Schulungsaufwand etc. konkret vorstellen?

Stefan Groschupf: Zu Beginn starten wir mit einem Use Case Discovery Workshop mit den Mitarbeitern. Es ist wichtig, nicht nur die Manager zu fragen, sondern die Mitarbeiter an der Basis zu fragen, was besser gemacht werden kann. Beim letzten Workshop haben wir z.B. in 6 Stunden 72 Use Cases erarbeitet und gemeinsam nach Nutzen und Aufwand priorisiert. Das ist unser Einstieg in einen Proof-of-Concept (PoC), der gleich im Anschluss startet. Typischerweise setzen wir in dem PoC die Top 3 Use Cases um. Sofern der Kunde bereits vorab Use Cases beschrieben hat, können wir diese auch direkt umsetzen.

Unser Produkt Hero Flow stellen wir – natürlich unter Berücksichtigung aller DSGVO-Anforderungen – entweder in der Cloud oder im Kundendatencenter zur Verfügung. Über Konnektoren verbinden wir uns mit den nötigen Datenquellen und IT-Systemen.

Mit dem Hero Flow-Studio werden dann die Automatisierungsprozesse und mit dem KI-Studio die KI-Modelle zusammen geklickt. Mitarbeiter werden bereits beim POC in dem Produkt geschult und können anschließend selbst weitere Anwendungsfälle umsetzen.

Jürgen Wulf: Welche Erfahrungen haben Sie mit ihren ersten Kunden und Interessenten in Bezug auf deren Vorstellungen, Vorbehalte, Voraussetzungen und vor allem erste generierte Vorteile machen können?

Stefan Groschupf: Wichtig ist es, schnell Erfolge zu zeigen und dann die nötige IT-Integration sauber und sicher abzuliefern. Bei einer der größten Krankenkassen haben wir am ersten Nachmittag einen Prozess automatisiert, der 18 Mannjahre lästige Arbeit für das Verkaufsteam eingespart hat. Die Endbenutzer sind sofort zu unseren größten Befürwortern geworden. Wichtig ist es, die Mitarbeiter zeitig einzubeziehen, IT und gesetzliche Voraussetzungen sauber zu implementieren und vor allem einen großen Mehrwert für alle Beteiligen zu zeigen.

In einem anderen Fall haben wir innerhalb von 2 Monaten ein Problem gelöst, welches der Kunde seit zwei Jahren nicht lösen konnte. Zusätzlich zur Minimierung der hausinternen Kosten diente die Lösung zur Erweiterung des Geschäftsmodells und Generierung zusätzlichen Umsatzes. Mit Erfolgen wie diesen fördern wir den Kulturwandel, beschleunigen die Digitalisierung und sichern mit den gezielten Ergebnissen die Wettbewerbsfähigkeit unserer Kunden.

Herstellerunabhängigkeit und Autonomie zur Nutzung der Lösung

Im Gegensatz zu gängigen RPA-Lösungen bieten wir eine hoch skalierbare end-to-end Plattform, die per point and click leicht zu bedienen ist und quasi keinen Programmieraufwand verursacht.

Für unsere Kunden bietet das den Vorteil, dass nach Implementierung keine große Abhängigkeit zu weiteren Beratungsdienstleistungen besteht und neue Prozesse und KI-Modelle in kurzer Zeit selbst erstellt und umgesetzt werden können.

Jürgen Wulf: Welche Einfluss- und Erfolgsfaktoren sind außerdem zu beachten?

Stefan Groschupf: Personal- und Finanzressourcen seitens Fachabteilung und IT sind natürlich ein zentraler Punkt. Ein positives Zusammenwirken aller Beteiligten ist wichtig. Am Ende geht es nie um die Technologie, sondern immer um die Menschen. 

Jürgen Wulf: Lieber Herr Groschupf, vielen Dank für die spannenden Einblicke und viel Erfolg mit Automation Hero!

 

 

In der Interviewreihe sind bisher erschienen:

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